Corona und die Jobsuche

Was Sie gegen die Angst tun können

Im März 2020 habe ich ein Interview gegeben. Das Thema: wie man einen Job findet, der nicht nur zum Geldverdienen da ist. Erschienen ist dieser Artikel am 14. März – also ziemlich genau an dem Tag, an dem uns auch in Deutschland klar wurde: Corona wird unser aller Leben verändern. Und an dem die Sinnsuche im Job plötzlich in den Hintergrund trat.

Drei Monate später kam dieselbe Journalistin wieder auf mich zu. Dieses Mal ging es, darum herauszufinden, wie Corona die Situation für Bewerber verändert hat. Herausgekommen ist dabei ein schöner, kurzer Artikel, zu dem ich allerdings noch so viel mehr zu sagen hätte. Und genau das hole ich hier im Blog nach.

Lassen Sie mich kurz ausholen

Bevor ich zu dem Thema Jobsuche komme, möchte ich Ihnen ein Modell vorstellen. Ja, jetzt wird es etwas theoretisch, aber weiterlesen lohnt sich – versprochen. Vielleicht haben Sie schon mal was von Abraham Maslow gehört. Oder zumindest von der Bedürfnispyramide, die auf ihn zurückgeht. Falls nicht, bekommen Sie hier einen Schnelleinstieg:

Was will uns der Autor damit sagen? (Haben Sie die Frage in der Schule auch immer so gehasst?) Jeder Mensch hat Bedürfnisse, und die können unterschiedlich wichtig sein. Im Bild fangen wir von unten an, quasi beim Fundament der Pyramide: Und da gibt es erst mal um das reine Überleben. Wir brauchen Nahrung, Wasser und Luft zum Atmen.

An dieser Stelle kann man sich schon sehr schön das Grundprinzip der Pyramide erklären, denn Maslow sagt, dass alle Bedürfnisse, die weiter oben liegen, erst dann wichtig werden, wenn alle darunter liegenden Bedürfnisse befriedigt sind. Oder, einfacher ausgedrückt: wenn wir gerade keine Luft zum Atmen bekommen, dann werden uns alle anderen Bedürfnisse ziemlich egal sein.

Auf der nächsten Stufe kommt dann unsere eigene Sicherheit. Wir möchten gesund sein, nicht verletzt werden und brauchen einen geschützten Ort, an dem wir uns ausruhen und schlafen können. Für die meisten Menschen ist es hier zu Hause mit ihrem eigenen, kuscheligen Bettchen.

Weiter geht es mit der Zugehörigkeit. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen (soll man manchmal gar nicht glauben) und möchte nicht alleine sein. Zugehörigkeit kann dabei sehr viele Gesichter an: Ich bin Teil einer Familie, einer Siedlung, eines Vereins, bin Fan einer bestimmten Musikrichtung oder mag lieber Mac statt PC. All das ist Teil unserer Identität, und wenn wir diese Zugehörigkeit nicht hätten, würden wir uns verloren und alleine fühlen.

Als Nächstes folgt die Anerkennung. Wir möchten gesehen und wahrgenommen werden. Wir möchten, dass andere Leute anerkennen, was wir leisten und wir möchten dafür Wertschätzung erhalten.

Und ganz oben, auf der Spitze der Pyramide, da steht die Selbstverwirklichung. Wir möchten frei sein, uns entfalten und uns so geben, wie wir wirklich sind. Das ist die höchste Stufe an Bedürfnissen, der wir uns widmen können.

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben tatsächlich bis hier gelesen – dann geht’s jetzt auch weiter mit der Jobsuche.

Die Jobsuche – vor Corona

Erinnern Sie sich, was ich ganz am Anfang des Artikels geschrieben habe? Dass die Journalistin mit mir ein Gespräch zum Thema "Sinnsuche im Job" geführt hat? Was bedeutet das alles also für unsere Bedürfnisse im Job zu dieser Zeit, also noch vor Corona?

Viele von uns waren ganz oben auf der Pyramide angekommen: Über das Überleben und die körperliche Unversehrtheit müssen wir uns in Deutschland zum Glück keine Gedanken machen. Es ist uns oft gar nicht bewusst, dass wir diese Bedürfnisse haben, weil sie einfach immer erfüllt waren. Das gehört für uns zum Leben dazu.

Zugehörigkeit haben die meisten von uns auch mehr als genug: Familie, Freunde, Kollegen, Vereine, online Freunde… Manchen Leuten ist das sogar eher zu viel. Also ist auch diese Schicht befriedigt gewesen.

Spannender war’s dann schon mit der Wertschätzung, denn das war ein ganz häufiger Grund, warum Menschen ihren Job kündigen: Ich fühle mich nicht Wert geschätzt! Mein Chef sieht gar nicht, was ich alles für ihn tue! Die nutzen mich nur aus!

Wenn Sie diesen Gedanken schon mal selber gehabt haben, dann wissen Sie jetzt: Auf allen anderen Ebenen Ihres Lebens saß offenbar ganz gut aus. Denn wer gerade mit einer schweren Krankheit kämpft oder nicht weiß, wo er morgen schlafen soll, der denkt nicht so viel über Wertschätzung nach.

Und für viele war eben auch die Selbstverwirklichung ein Thema: Wie kann ich einen Job finden, der nicht nur zum Geldverdienen da ist? Und das ist in der Tat ein echter Luxusgedanke, weil er gleichzeitig bedeutet: Mir geht es in vielen Aspekten meines Lebens richtig gut. Ich habe keine ernsten Sorgen.

So sah es bis März 2020 aus.

Die Jobsuche nach Corona

Das Virus und die damit verbundenen Maßnahmen haben etwas ausgelöst, was viele Menschen in ihrem Leben bisher noch nie erlebt haben: Sie haben Bedürfnisse hervorgerufen, die viele Menschen vorher noch nie gespürt haben. Einfach weil sie immer gegeben waren. Denn wo hat Corona uns getroffen? Genau hier:

Plötzlich war da etwas, dass unser Überleben gefährdet hat. Jeder musste sich zumindest mit dem theoretischen Gedanken beschäftigen, dass da draußen etwas ist, dass ihm das Leben kosten könnte. Und dieses etwas war überall. Viele Orte, die für uns vorher Orte der Entspannung und der zu Flucht warm, wann plötzlich unsicher geworden.

Was heißt das jetzt auf der Pyramide? Unsere Bedürfnisse auf den beiden untersten Schichten waren plötzlich nicht mehr vollständig befriedigt – und das löst Ängste aus. Noch dazu war es wie gesagt für viele Menschen das erste Mal, dass sie so etwas überhaupt gespürt haben. Und das sorgt für zusätzliche Angst.

Es ist genau das eingetreten, was Maslow mit seinem Modell vorhergesagt hat: Alle Bedürfnisse darüber sind plötzlich nicht mehr so richtig gewesen. Zugehörigkeit? Wertschätzung? Verwirklichung? Ich bin schon froh, wenn ich meinen ungeliebten Job erst mal behalten darf!

Noch schlimmer für Arbeitslose

Falls Sie zu den Menschen gehören, die während der Coronakrise einen Job haben, dann dürfen Sie sich glücklich schätzen. Dann stellen sich jetzt mal vor, wie sich das selber anfühlt, wenn man dazu noch arbeitslos ist:

Dann ist keine Schicht mehr so richtig erfüllt. Und das macht er nicht nur Angst, das erzeugt ein Gefühl der Verzweiflung. Das habe ich auch bei meinen Kunden erlebt.

Jemand, der sich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbt, der war schon immer gelassener bei der Jobsuche als jemand, der gerade überhaupt kein Geld verdient. Aber dieser Unterschied ist deutlich krasser. Ich bekomme so viele E-Mails von Menschen, die eine nie gekannte Angst spüren. Und wenn man dieses Modell kennt, dann kann man auch sehr gut verstehen, warum das so ist.

Was können Sie gegen die Angst tun?

Dazu müssen Sie jetzt auch eine Sache wissen. Eine Sache, die leicht zu schreiben, aber schwer zu verstehen ist:

Die Tatsache, dass sie Angst spüren, bedeutet nicht, dass sie auch wirklich Angst haben müssen.

Das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Wenn ein wilder Tiger vor mir steht, dann spüre ich Angst. Und das sollte ich auch, denn die Angst bereitet mich darauf vor, mit einer sehr gefährlichen Situation umzugehen. Wenn ich eine Spinne vor mir sehe, dann spüre ich womöglich auch Angst. Die ist aber komplett sinnlos, denn die Spinne wird mir nichts tun. Das Gefühl der Angst kann trotzdem dasselbe sein wie beim Tiger.

Wenn man es mit der Angst zu tun hat, dann lohnt sich also immer die Frage: Was ist das Schlimmste, was mir jetzt passieren könnte? Im Falle des Tigers lautet die Antwort: Er könnte mich angreifen und mich töten. Im Falle der Spinne: Sie könnte mich berühren und ich würde das sehr eklig finden. Mir würde allerdings nichts passieren.

Das ändert zwar erst mal überhaupt nichts an Gefühl, aber es rückt das ganze schon mal ins richtige Verhältnis. Nun stellen Sie sich die Frage: Wenn die Situation durch Corona noch weiter so bleibt, was bedeutet das für mich und meinen Job im schlimmsten Fall?

Vielleicht sieht Ihre Antwort so aus: Ich werde lieber erst mal nicht kündigen und versuchen, den Job so lange zu behalten wie ich kann. Schlimmstenfalls geht es der Firma irgendwann schlecht, man wird mich entlassen und ich werde Arbeitslosengeld erhalten.

Oder so: Ich werde in den nächsten Monaten noch mehr absagen bekommen als normalerweise. Wenn es ganz blöd läuft, werde ich in dieser Zeit gar keinen Job finden. Im allerschlimmsten Fall wenn ich Hartz IV beantragen müssen.

Wir machen unsere Angst selbst

In keinem Fall wird ihre Antwort aber so aussehen: Ich werde in meinem ganzen Leben nie wieder einen Job finden, ich werde nie wieder einen Cent besitzen und verhungern.

Wenn wir ehrlich sind, ist das aber genau die Antwort, die wir im Hinterkopf haben. Denn genau dieses Szenario ist es doch, dass die Angst auslöst. Hartz IV beantragen? Mit Sicherheit kein schöner Gedanke. Aber nicht lebensbedrohlich.

Und noch eins ist sicher: Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber Wenn wir auf die Angst hören, dann tun wir Dinge, die wir bei klarem Verstand nicht machen würden. Wir verschicken noch mehr Bewerbungen, wir fangen an in kurzer Abfolge ganz viele an unseren Unterlagen zu ändern, wir probieren immer mehr Dinge aus und mache die Situation immer schlimmer.

Was wir dagegen tun sollten: Aufhören, zur Ruhe kommen, und sich in einer ruhigen Minute vor Augen führen: Was ist eigentlich wirklich das Allerschlimmste, dass mir jetzt passieren könnte. Und ist meine Reaktion für das, was meine Antwort beinhaltet, wirklich angemessen?

Ernst aber nicht hoffnungslos

Genau so würde ich die Situation beschreiben. Die Lage ist ernst aber bei weitem nicht hoffnungslos. Ich habe auch jetzt weiterhin Kunden, die Einladungen und Zusagen erhalten. Bewerbung waren schon vorher eine Sache, die Zeit und Nerven kostet. Und das tun sie jetzt noch mehr als vorher – aber sie bedrohen niemand in Leib und Leben, auch wenn unsere Angst uns das manchmal einreden will.

Es wird uns alle noch einiges an Zeit und Nerven kosten, doch ich versichere Ihnen:

Alles wird gut.

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