Das Märchen von Markus

oder: Muss sich das Anschreiben immer auf die Firma beziehen?

Dies ist die traurige Geschichte von Markus. Vor Kurzem war Markus noch ein fröhlicher junger Mann. Doch jetzt ist er blass, grau und antriebslos. Was ist nur passiert?

Das Märchen von MarkusVor einigen Tagen hat Markus eine interessante Stellenanzeige gesehen: »Kaufmännischer Mitarbeiter mit Großhandelserfahrung gesucht«. Genau das, wovon er geträumt hatte: endlich wieder Großhandel! Da hatte er nämlich schon einige erfolgreiche Jahre verbracht, bevor er vor zwei Jahren in den Einzelhandel gewechselt ist. Und da möchte er unbedingt wieder weg.

Am Anfang war alles auch noch ganz harmlos: Seinen Lebenslauf hatte er schon lange fertig in der Schublade, man will ja schließlich vorbereitet sein. Auch die Zeugnisse waren sauber eingescannt und warteten schon auf ihren Einsatz. Jetzt fehlte nur noch ein Anschreiben – und das kann doch so schwierig nicht sein, oder?

Am Abend setzte er sich also frohen Mutes vor den Rechner und fing an zu schreiben. Er schrieb über seine Zeit im Großhandel, über seine Erfolge und seine Ziele. Das ging ihm leicht von der Hand, denn dazu musste er nicht sonderlich kreativ sein. Er wollte das Dokument gerade abspeichern, als ihn aus heiterem Himmel ein Blitzgedanke traf:

"Das Anschreiben bezieht sich gar nicht auf die Firma! Ich muss doch schreiben, warum ich ausgerechnet da anfangen will!"

Damit fingen seine Probleme an. Denn das grobe Ziel, der Großhandel, lag auf der Hand. Doch warum gerade bei dieser Firma? Ehrlich gesagt hätte es auch jeder andere Großhändler sein können – Hauptsache weg vom Einzelhandel. Aber das könnte er doch nicht schreiben?

Viele Tage und Nächte saß Markus nun vor seinem PC und zermarterte sich das Hirn:

"Schon seit Langem ist es mein Wunsch, für Ihre Firma zu arbeiten." - nein, das war gelogen. Dann hätte er sich ja schon damals dort bewerben können.

"Ich bin überzeugt, dass ich gerade bei Ihnen meine Kenntnisse besonders gut einbringen kann." – Nein, das ging auch nicht. Großhandel ist und bleibt Großhandel.

"Das gute Image Ihres Unternehmens und die zukunftsweisende Ausrichtung haben mich sofort angesprochen." – heißt das, ich habe mich blenden lassen? Renne ich denen wie ein Fanboy hinterher?

Und so verging Stunde um Stunde, Tag um Tag. Und wenn er nicht gestorben ist, dann grübelt er noch heute.

Die Moral von der Geschicht

Wohl kaum ein anderer Ratschlag hat so viel Unheil angerichtet wie dieser: "Beziehen Sie sich im Anschreiben immer auf die Firma. Warum wollen Sie dort anfangen?"

Das kleine Märchen von Markus ist gar nicht so weit weg von der Realität: In den allermeisten Fällen gibt es keinen Grund, warum es genau diese Firma sein sollte. Meistens geht es doch nur darum, überhaupt irgendwo einen Job zu finden. Deswegen verschickt man ja auch nicht nur eine Bewerbung, sondern ziemlich viele. Und das wissen die Firmen doch genauso gut wie die Bewerber – wozu also dieses Spiel?

Ich rate meinen Kunden, sich das Anschreiben wie einen (seriösen) Flirtversuch vorzustellen. Und wissen Sie, was das Schlimmste ist, das Sie beim Flirten machen können? Falsche Komplimente. Die erkennt man nämlich sofort, und sie bewirken genau das Gegenteil: Sie wirken billig und abstoßend.

Aber genau das kommt dabei heraus, wenn man sich sklavisch an diesen Ratschlag hält. Da werden Gründe erfunden und konstruiert, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Dem Bewerber beim Schreiben ebenso wie der Firma beim Lesen. Kein Mensch wird doch glauben, dass man damit tatsächlich ein gutes Argument liefert, warum man eingestellt werden sollte.

Das große Aber

Das bedeutet aber nicht, dass Sie im Anschreiben nie auf die Firma eingehen sollten. Halten Sie es genau wie mit den Komplimenten: Wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben, dann sagen Sie es! Wenn es wirklich einen Grund gibt, der Sie zu dieser Firma hinzieht – dann los! Dann ist es wirklich wichtig und vermutlich auch überzeugend! Vielleicht haben Sie familiäre Beziehungen in dieses Unternehmen? Vielleicht arbeitet diese Firma an einem Projekt, dass Sie wirklich interessant finden? Oder sie ist besonders innovativ/nachhaltig/familienfreundlich? Dann immer raus damit!

Doch solange Sie nur über den Bezug zur Firma schreiben, weil es Ihnen irgendein Ratgeber gesagt hat, lassen Sie es lieber bleiben. Denn falsche Komplimente sind Gift für jede aufkeimende Beziehung.

...habe ich Ihnen eigentlich schon gesagt, dass ich noch nie so charmanten Besuch auf meinem Blog hatte, wie Sie?

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