Die Eigenkündigung im Vorstellungsgespräch erklären

Warum haben Sie gekündigt? Eine Frage, die kein Bewerber im Vorstellungsgespräch gerne hört. Denn die ehrliche Antwort wäre meist "Weil mein Chef ein (---) ist!" Was können Sie tun, wenn die Firma immer weiterbohrt?

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Bei einer früheren Frage habe ich schon mal gesagt, , dass man dauf gar keinen Fall schlecht über die alte Firma reden darf, das darf einfach nie passieren. Mein Rat war damals, dass man dann betonen kann, dass es halt die Probezeit war - und die gilt ja für beide Seiten.

Wenn man feststellt, es passt nicht, dann sollte man auch in der Probezeit besser die Konsequenzen ziehen und sich trennen.

Nun hat sich die Fragestellerin erneut gemeldet:

Ich habe deinen Rat befolgt und in etwa so geantwortet, wie du es mir empfohlen hast. Die Personalerin hat aber immer tiefer gebohrt!

Es wurde nachgehakt, was denn konkret nicht gepasst hätte. Hier stand ich dann wieder vor der Problematik, dass man ja nicht die selbst empfundenen schlechten Bedingungen angeben soll

Ich habe das Gefühl, dass man mit jeder Antwort nur verlieren kann. Wie kann man eine solche Nachfrage elegant beantworten, ohne schlecht über den ehemaligen Arbeitgeber zu reden?

Schauen wir uns das Thema also nochmal etwas genauer an:

Es gibt im Grunde nur drei Möglichkeiten, wie du darauf antworten kannst.

Zum einen kannst du sagen, dass es fachliche Gründe gab. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Stelle inhaltlich gar nicht so gewesen ist, wie sie in der Stellenanzeige dargestellt wurde. Wobei, wenn es tatsächlich solche Gründe gibt, dann müssen die schon wirklich sehr schwerwiegend sein und nicht nur eine kleine Abweichung.

So etwas kann gut erzählen, denn es nichts mit den Menschen in der Firma zu tun, also ob das jetzt besonders chaotische oder "schlechte" Menschen sind, sondern da kann man ganz auf ein Sachthema gehen: "Ich hatte mich auf eine Stelle im Innendienst beworben, aber es war dann doch zu 90 Prozent Außendienst - und der liegt mir einfach nicht."

Wenn es solche Gründe allerdings nicht gibt, dann bleibt für dich als zweite Möglichkeit, dich auf die Loyalität zu berufen. Denn das wollen die Firmen ja auch gerne in einem zukünftigen Mitarbeiter sehen.

Wenn du diese Strategie verfolgen möchtest, könntest du in Zukunft,
in etwa so antworten. "Wissen Sie, ich würde mich nicht gut dabei fühlen, solche Interna hier auszuplaudern. Wir haben uns nicht im Bösen getrennt, das kann ich Ihnen garantieren, aber mehr möchte ich nicht dazu sagen."

Wenn du dann merkst, dass es denen noch immer nicht reicht, dann kannst du es noch deutlicher machen: "Ich denke, Sie würden ja auch nicht wollen, dass Ihre Mitarbeiter sowas woanders erzählen, oder?"

Keine Firma will das! Du kannst damit erreichen, dass in deren Kopf passiert: "Oh ja stimmt, also wenn er jetzt hier anfangen würde zu sagen, mein Chef war ein (---). dann wird er in zwei, drei Jahren, wenn er hier rausgeht, dasselbe über uns erzählen." Daher kann diese Strategie sehr oft sehr gut funktionieren.

Natürlich bohren sie trotzdem weiter, weil sie rausfinden wollen, ob nicht doch irgendwas ganz Schlimmes vielleicht der Grund war. Vielleicht hast du dir was zu Schulden kommen lassen, vielleicht bist du ein Mensch, mit dem einfach keiner arbeiten will, ein fürchterlicher Stinkstiefel. Deswegen bohren die so.

Das muss man in dem Moment aber auch ein bisschen ertragen. Das ist alles nicht so ernst gemeint.

Schließlich haben sie dich eingeladen und damit signalisiert: "Alles, was wir gelesen haben, ist im Grunde okay für uns. Jetzt möchten wir nur nochmal die Bestätigung haben." Genau deswegen bohren die so nach.

Das ist so, als wenn du dir ein Auto kaufen willst, einen Gebrauchtwagen.
Du bist dir im Grunde schon sicher, ja, der würde passen. Aber dann fragst du halt doch noch drei Mal nach: "Und der hat wirklich keine Unfallschäden gehabt, ja? Und hier diese Delle, wie ist das passiert?"

Jeder möchte bei einer wichtigen Entscheidung auf Nummer sicher gehen. Mehr steckt auch in diesem Fall nicht dahinter.

Nun habe ich aber noch weiter mit der Fragestellerin gesprochen und gefragt, was denn bei ihr ganz konkret die Gründe waren, dass sie da nicht hingegangen ist. Und dabei bin ich auf eine die dritte Möglichkeit gekommen:

Es fing damit an, dass mir im Bewerbungsgespräch versichert wurde, dass ich bis Ende der Woche eine Entscheidung bekommen sollte, da ich mich bis dahin wegen eines anderen Angebots entscheiden musste.

Diese Zu- oder Absage kam aber nicht, weswegen ich den anderen Arbeitsvertrag unterschrieben habe.

Diese Situation haben bestimmt schon viele von euch erlebt. Man hat dann irgendwo so eine halbe Zusage, und irgendwo anders kommt plötzlich eine Firma ums Eck und sagt: "Bei uns kannst du jetzt anfangen!"

Dann muss man sich entscheiden. Und in diesem Fall ist die Bewerberin eben mit der sicheren Variante gegangen.

Vier Wochen später lag dann doch noch der unterschriebene Arbeitsvertrag im Kasten - ohne jeweils wieder mit mir Rücksprache gehalten zu haben. Auf meine Rückfragen, die Situation zu klären, hat die Firma eine Woche lang nicht reagiert.

Leider habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört, sondern aufgrund der interessanten Aufgaben und des guten finanziellen Angebots den Vertrag unterschrieben. Das schlechte Verhalten zog sich dann allerdings auch bei der Arbeit durch.

Da ist für mich das Schlüsselwort überhaupt drin. Das ist etwas, was ich selber auch sehr leidvoll lernen musste auf meinem eigenen Weg, nämlich das Bauchgefühl. Das darf man echt nicht unterschätzen.

Wenn ich an meine eigenen Station zurückdenke, gab es auch bei mir Vorstellungsgespräche, bei denen ich hinterher rausgegangen bin und dachte, "das war seltsam". Aber ich hätte nicht genau den Finger drauflegen können und sagen, was genau mich gestört hat.

Eher habe ich gedacht; "Na ja, die sind wahrscheinlich gerade im Stress und wer weiß, was da gerade in der Firma abgeht." Aber bei mir war es auch so, dass dieses seltsame Verhalten zu dieser Firma gehörte - das ging immer so weiter. Rückblickend muss ich sagen, hätte ich damals auf mein Bauchgefühl gehört, hätte ich mir einiges ersparen können.

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis:

Wenn ihr aus einem Vorstellungsgespräch rausgeht und denkt, "na, die waren aber komisch" - dann hofft nicht darauf, dass sie in Zukunft besser werden. Es ist ganz im Gegenteil:

Die Firma wird sich nie wieder so viel Mühe im Umgang mit euch geben, wie in diesen Gesprächen.

Eine gute Firma will sich auch im Gespräch möglichst gut präsentieren. Und wenn sie das da schon nicht hinkriegen, werden sie sich auch nicht mehr Mühe mit euch geben, wenn ihr dort angefangen habt.

In deiner spezielle Situation könntest du jetzt also auch so antworten:

"Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich von Anfang an gespürt, dass irgendwas nicht stimmt, Das fing schon mit dem Vertrag an..."

Dass der gesamte Arbeitsalltag dann auch so unorganisiert und das Klima so schlecht war, das würde ich allerdings nicht mehr sagen. Da würde ich mich dann auf die Loyalität zurückziehen. Aber bis zu diesem Punkt könntest du das noch guten Gewissens erzählen.


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Volker Klärchen
Bewerbungscoach
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