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Die richtige Sprache für Ihre Bewerbung

Es gibt Dinge im Leben, auf die kann ich mich einfach verlassen: Zum Beispiel, dass ich meinen Haustürschlüssel immer dann nicht finden kann, wenn ich es eilig habe. Oder dass ich mir einen hübschen Fleck auf mein Hemd kleckere, wenn ich später noch einen wichtigen Termin habe. Oder dass meine Kunden mir die folgende E-Mail schreiben:

"Hallo Herr Klärchen, die Unterlagen, die Sie für mich erstellt haben, gefallen mir richtig gut. Nur bei der Sprache bin ich mir nicht so sicher: Klingt das nicht alles etwas zu einfach? Darf man so wirklich in einer Bewerbung schreiben?"

Einfache Sprache in der Bewerbung

Diese Verunsicherung erlebe ich ganz oft. Denn die Bewerbung ist das Dokument, mit dem wir eine möglichst gute Wirkung erzielen wollen. Wir wollen als kompetent und seriös wahrgenommen werden. Und dazu muss man doch kompliziert und "business-artig" schreiben, oder nicht?

Kompliziert ist kompliziert

Doch der Versuch, möglichst beeindruckend zu schreiben, geht schnell nach hinten los: Immer wieder lese ich im Anschreiben Sätze, bei denen ich hinterher nicht weiß, was derjenige mir damit sagen wollte. Im Gegensatz zu einer Firma habe ich die Möglichkeit, direkt zurück zu fragen: "Was soll das eigentlich bedeuten?"

Eine Firma, bei der Sie sich bewerben, nimmt sich diesen Luxus nicht. Sie müsste dazu extra anrufen oder Sie sogar zu einem Gespräch einladen – so viel Zeit bleibt nicht. Bei der großen Masse an Bewerbungen nimmt man einfach schnell die nächste Unterlage.

Dabei wirkt diese einfache Frage - was soll das heißen - wahre Wunder. Denn in der Regel ist die Antwort darauf genau das, was eigentlich im Anschreiben hätte stehen sollen.

Beispiele gefällig?

Ein Mann wollte sich in der Betreuung erwachsener Menschen mit psychischen Problemen bewerben:

"Diese Aufgabe reizt mich, da ich seit jeher ein Faible für Menschen mit ausgeprägten, atypischen charakterlichen Merkmalen besitze."

Nachdem ich ihn gefragt hatte, was er eigentlich sagen wollte, fanden wir den folgenden neuen Satz:

"Mir macht diese Aufgabe Freude, da ich echte 'Typen' einfach mag."

Ein anderer Kunde arbeitete im Einzelhandel und beschrieb sich so:

"Konfliktfähigkeit und Empathie runden mein Profil ab."

Auch hier stellte ich wieder meine Frage, und aus dem nichtssagenden Satz wurde:

"Ich habe ein Händchen dafür, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren und auf mein Gegenüber einzugehen. Selbst dann, wenn ein aufgebrachter Kunde in den Laden stürmt. Ehrlich gesagt sind das sogar Situationen, auf die ich mich ganz besonders freue."

Das gilt auch im Alltag

Auch, wenn das für viele einleuchtend klingt: Sobald es um die eigene Bewerbung geht, kommen die Zweifel: "Das klingt ja fast umgangssprachlich! Das klingt nicht wie eine Bewerbung! So nehmen die mich doch nicht ernst!"

Doch abgesehen davon, dass die komplizierten Formulierungen viel weniger Aussagekraft haben, erzeugen sie beim Leser auch genau das Gegenteil: je besser es uns gelingt, unsere Botschaft in einfachen, verständlichen Worten zu transportieren, desto intelligenter wirken wir auf unser Gegenüber. Dieser Effekt wurde ausgiebig untersucht und sogar mit einem Forschungspreis ausgezeichnet.

Daniel M. Oppenheimer, der Wissenschaftler, der diesen Effekt untersucht hat, sagte auf der Preisverleihung in seiner Dankesrede:

"Formale Studien, die unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurden, führten zu der unausweichlichen Schlussfolgerung, dass Verfasser schriftlicher Texte, die maßlosen quantitativen Gebrauch von Worten, unnötige Exkurse und vielsilbigen Wörter vermeiden als intelligenter wahrgenommen werden als Autoren, die der Weitschweifigkeit fröhnen und Prägnanz scheuen. Daher möchte ich meine Dankbarkeit für Ihre Anerkennung meiner Forschungsbemühungen zum Ausdruck bringen."

Dann machte er eine kurze Pause, lächelte und wiederholte seine Rede in einfachen Worten:

"Meine Forschung hat gezeigt, dass Prägnanz als Intelligenz gedeutet wird. Deshalb: Danke."

Einfach ist nicht einfach

Schauen Sie sich mal ihr eigenes Anschreiben an: Wo haben sich bei Ihnen unnötig komplizierte Formulierungen eingeschlichen? Durch welche einfachen Sätze könnten Sie dasselbe sagen? Dabei werden Sie feststellen: Einfach zu schreiben ist gar nicht einfach. Oft sitzen wir sogar länger an guten, einfachen Formulierungen als den komplizierten Floskeln, die wir schon hundertmal selber benutzt und gelesen haben. Doch die Mühe lohnt sich: Je klarer und unmissverständlicher die Aussage, desto einfacher kann die Firma beurteilen, ob Sie interessant für diesen Job sind. Und intelligenter wirken sie dabei auch noch!

Jetzt muss ich allerdings aufhören. Ich weiß gerade gar nicht, wo mein Autoschlüssel ist… und ich muss doch noch mein Hemd in die Reinigung bringen!

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