Eine neue Frage im Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräche sind schwierig – auch für die Firmen. Als Personaler hat man 60 Minuten Zeit, sich von seinem Gegenüber ein Bild zu machen. Danach soll man wissen, ob dieser Mensch die richtige Wahl für den Job ist oder nicht. Jahrzehntelang ging das ganz bequem mit immer denselben Fragen:

  • Was sind Ihre Stärken?
  • Was sind Ihre Schwächen?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Doch durch das Internet haben sich die Bedingungen verändert: wer heute nach „Fragen Vorstellungsgespräch“ googelt findet nicht nur sämtliche Standard Fragen, sondern auch gleich Vorschläge dazu, wie man am besten auf diese Fragen antworten sollte.

Eine neue Frage im Vorstellungsgespräch
Damit verkommt das Vorstellungsgespräch zu einer Theatervorstellung – einer schlechten noch dazu. Denn den Bewerber wird eingebläut, dass es richtige und falsche Antworten geben würde. So als sei das Vorstellungsgespräch nur eine Quizshow, in der man eben die perfekten Antworten liefern muss.

Die Bewerber kennen die Fragen

Auf Seiten der Firma führt das zum Problem: einem perfekt vorbereiteten Bewerber kann man nur noch eines anmerken – nämlich dass er sich perfekt vorbereitet hat. Doch den Menschen hinter dieser Fassade bekommt man in 60 Minuten nicht mehr zu Gesicht. Damit wird die Entscheidung für die Firma immer schwieriger.

Immer mehr Firmen fangen daher an, neue und ungewöhnliche Fragen zu stellen. In der Hoffnung, dass sie den Bewerber dadurch unvorbereitet und authentisch erleben können. Und nicht etwa, um den Bewerber hereinzulegen oder zu stressen, wie viele glauben.

Eine Frage, die zur Zeit in Mode kommt, ist die folgende:

"Erzählen Sie mir etwas über eine Zeit, in der Ihr Job nicht für Sie interessant war."

Bevor Sie weiterlesen: überlegen Sie sich, wie Sie ganz spontan auf diese Frage antworten was würden Sie erzählen? Ich warte solange. Wirklich.

Prima, da sind Sie ja wieder. Vergessen Sie Ihre Antwort nicht, wir kommen gleich darauf zurück. Schauen wir uns jetzt erst mal an, warum die Firma diese Frage stellt. Was meinen Sie, was ist der eigentliche Kern dieser Frage?

Der Bewerber soll von einer Zeit erzählen, in der sein Job ihm keinen Spaß gemacht hat. Er soll also nicht nur über die Sonnenseiten, sondern auch über die Schattenseiten seines Berufsweges berichten. Schon das ist für viele eine Herausforderung. Denn im Vorstellungsgespräch möchte man doch glänzen! "Probleme? Kenne ich nicht! Das sind bei mir alles Herausforderungen!"

Doch jeder Mensch hat Höhen und Tiefen in seinem Leben. Ob wir bereit sind darüber zu sprechen, sagt bereits etwas über uns aus nämlich wie reflektiert und wie stark wir sind. Wer hier antwortet "Mein Job hat mir immer Spaß gemacht, jeden einzelnen Tag", der wirkt schnell unehrlich oder unsicher. Das könnte bedeuten, dass dieser Mensch auch im Beruf Konflikte eher unter den Teppich kehrt.

Mehrere Fragen in einem

Im zweiten Schritt kann man die Antwort auf einen weiteren Anhaltspunkt untersuchen: Wo sieht der Bewerber die Schuld dafür, dass es zu der Zeit nicht rund lief? Schauen wir uns auch dazu zwei mögliche Antworten an:

"Mein Chef hat mich bevormundet, wo er nur konnte. Ich durfte nicht mal zum Klo gehen, ohne dass er es mir erlaubt hat. Außerdem hat er mir immer nur die langweiligen Aufgaben gegeben." Die Verantwortung liegt in diesem Fall komplett außerhalb des Bewerbers. Er sieht sich als Opfer der Umstände.

"Ich konnte mich mit dem ganzen Zahlenkram nicht wirklich anfreunden. Natürlich habe ich die Auswertungen alle korrekt erstellt, doch ich fand es einfach furchtbar langweilig." Hier übernimmt der Bewerber komplett die Verantwortung für die Situation. Kein Chef, keine Kollegen, kein Schicksal kommt darin vor.

Die Wahrheit liegt natürlich immer irgendwo dazwischen, sie ist nie nur schwarz oder nur weiß. Doch anhand der Antwort lässt sich ableiten, in welche Richtung der Bewerber eher tendiert: Macht er andere für deren Fehler verantwortlich, oder sieht er auch eigene Fehler?

Klassiker in neuem Gewand

Und damit nicht genug, da steckt noch mehr drin: Zu guter Letzt geht es auch noch um den Inhalt. Was genau hat dem Bewerber keinen Spaß gemacht? Was hat ihn über- oder unterfordert, wo hat es nicht gepasst? Damit erledigt die Frage ganz nebenbei auch den Klassiker „Was sind Ihre Schwächen?“

Hätten Sie gedacht, dass in einer so einfachen Frage so viel stecken kann? So viele unterschiedliche Ebenen?

Überlegen Sie sich jetzt noch mal, wie Sie vorhin – ohne dieses Wissen – auf die Frage geantwortet hätten. Was würde die Firma alles über Sie erfahren?

- Sind Sie bereit, über Schattenseiten zu sprechen?
- Sehen Sie bei Problemen den eigenen Anteil daran?
- Und wo genau liegt Ihre Schwäche?

Und auch hier gilt: Es gibt keine richtigen und falschen Antworten. Es ist wichtig, dass die Firma Sie so kennenlernt, wie Sie sind. Schließlich möchten Sie dort arbeiten, der Job soll Ihnen Spaß machen und zu ihnen passen. Das kann die Firma aber nur herausfinden, wenn Sie auch wirklich etwas über sich preisgeben.

Vielleicht protestieren Sie jetzt gerade innerlich und sagen „Aber wenn die Firma nun gerade jemanden sucht, der *nicht* über Probleme redet? Und ich erzähle denen ganz locker flockig von meinen Sorgen?" Ganz wunderbar, sage ich dann. Dann passt der Job nämlich nicht zu Ihnen - und besser, beide Seiten finden es jetzt raus als später, wenn Sie unglücklich hinter Ihrem neuen Schreibtisch sitzen.

Wenn Ihre Einstellung und die Erwartung der Firma gut zusammenpassen – dann erfährt die Firma das auch deutlich schneller und eindrucksvoller, als wenn Sie sich vorher tagelang strategische Gedanken über Ihre Antwort gemacht hätten. Haben Sie Mut zum freien antworten!

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Nächste Schritte

Als Bewerber kennt man immer nur die eigenen Situation. Viele Kunden sind überrascht wenn ich Ihnen sage, dass sie im Vergleich zu anderen schon sehr vieles richtig machen.

Mit acht kurzen Fragen kann ich Ihre Situation schnell einschätzen und Ihnen sagen, wo Sie aktuell stehen. Nach der Beantwortung schicke ich Ihnen eine Email mit meiner Einschätzung und konkreten Tipps, wie Sie vorankommen!
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