Hilfe, ich soll mein Arbeitszeugnis selber schreiben!

Keine Panik, atmen Sie ganz tief durch. Gemeinsam kriegen wir das hin. Schneiden Sie nur AUF GAR KEINEN FALL den roten Draht durch!

Entschuldigen Sie, da habe ich jetzt etwas dramatisiert. Doch sein Arbeitszeugnis selber zu schreiben versetzt viele Menschen in Schnappatmung. Nicht nur, weil es eine Frechheit ist, diese Aufgabe auf die Mitarbeiter abzuwälzen. Nein, auch weil sich plötzlich ganz viele Ängste melden. Aber der Reihe nach.

selbstgeschriebene Zeugnisse

Wer sein Arbeitsverhältnis beendet, hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. So steht es im Gesetz. Doch in der Realität sieht es anders aus. Offenbar würden viele Vorgesetzte alles lieber tun, als sich um ein Zeugnis für ihre Mitarbeiter zu kümmern. Die häufigste Lösung lautet daher: aussitzen. So lange nichts tun, bis der Mitarbeiter frustriert aufgibt und nicht mehr nachfragt.

Die nächstbeste Variante ist dann, den Ball zurückzuspielen: „Schreiben sie sich ihr Zeugnis am besten selber. Ich unterschreibe das dann.“ Natürlich ist das nicht im Sinne des Erfinders. Doch bevor man gar kein Zeugnis hat, geht man eben diesen Deal ein. Das eigentliche Drama beginnt dann meist erst zu Hause:

Da fällt einem nämlich ein, dass es doch den Zeugniscode gibt. Die Geheimsprache, mit der Firmen im Zeugnis verstecken, was Sie sich nicht offen zu sagen wagen. Das berühmteste Beispiel:

Er hat sich stets bemüht (...aber nichts hinbekommen).

Was also, wenn Sie aus Versehen eine Formulierung in Ihrem Zeugnis benutzen, die etwas furchtbar Negatives bedeutet? Denkt dann nicht jede zukünftige Firma, dass Sie ein Lügner, Dieb oder Faulpelz sind?

Gibt es den Zeugniscode wirklich?

Ja, den gibt es. Aber viel seltener, als man glaubt. Ich habe schon viele Arbeitszeugnisse geprüft, und nur höchst selten Informationen darin gefunden, von denen der Betroffene nichts wusste. Doch fast jeder vermutet, dass in seinem Zeugnis irgendetwas versteckt ist. In den allermeisten Fällen ist das jedoch nicht der Fall.

Das ganze System ist ohnehin – wie sage ich es freundlich – ein wenig pervers. Der Gesetzgeber hat mal entschieden, dass ein Arbeitszeugnis immer wohlwollend formuliert sein muss. Es soll die Leistung des Mitarbeiters beschreiben, ihm aber für die Zukunft keinerlei Steine in den Weg legen.

In den Personalabteilungen haben sich daher schlaue Menschen Gedanken gemacht, wie man negative Botschaften „wohlwollend" formulieren kann. So kamen sie auf die Idee, bestimmte Formulierungen immer dann zu benutzen, wenn sie eigentlich etwas anderes sagen wollen. So wird aus jemandem, der ein Alkoholproblem hat, auf dem Papier ein „geselliger Mitarbeiter“. Das ist - genau wie das Gesetz es will - wohlwollend formuliert.

Nun ist dieser Code beileibe nicht mehr geheim. So passiert es häufig, dass Arbeitnehmer gegen solche Formulierungen vor Gericht ziehen und dort auch Recht bekommen. Nämlich immer dann, wenn das Gericht davon überzeugt ist, dass hinter der Formulierung tatsächlich ein Code steckt und eigentlich etwas anderes gemeint ist.

Sie merken vielleicht schon, wo jetzt das Problem liegt? Codierte Formulierungen, die weit verbreitet sind, können gerichtlich entfernt werden. Codierte Formulierungen, die nicht weit verbreitet sind, gehen durch. Doch weil sie nicht weit verbreitet sind, werden sie vom nächsten Leser auch nicht verstanden. Wo bleibt dann der Sinn?

Falls Sie das jetzt verwirrt hat, lesen Sie den Absatz ruhig noch mal. Es ist tatsächlich so verworren, wie es scheint.

Kann ich mir selber schaden?

Bleibt also die Frage, was passiert, wenn Sie aus Versehen eine mehr oder weniger bekannte Codierung benutzen. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten:

 1. Der Leser ist mit Zeugniscodes vertraut

Wer sich so intensiv mit dem Thema Arbeitszeugnisse beschäftigt hat, dass er die Codes erkennt, der merkt auch, ob ein Zeugnis selbstgeschrieben ist oder nicht. Denn neben den „geheimen“ Regeln gelten viele Standards, die selbstgeschriebene Zeugnisse meist nicht erfüllen. Der Aufbau, die Reihenfolge, in der die einzelnen Themen besprochen werden, Einleitung und Abschlussformulierungen – die sehen in einem selbstgeschriebenen Zeugnis häufig anders aus.

Sie können sich das so vorstellen: Sie erkennen vermutlich auch, ob jemand den Kratzer in seinem Auto selber ausgebessert hat, oder ob der Wagen professionell neu lackiert wurde.

In diesem Fall bleibt der unabsichtliche Code ohne Folgen. Denn jedem Leser ist klar, dass dieser Code wirklich unabsichtlich benutzt wurde. Sie müssen sich also keine Sorgen machen.

2.  Der Leser ist nicht mit Zeugniscodes vertraut

Auch hier können Sie aufatmen. Wenn der Leser mit der Codierung von Arbeitszeugnissen nicht vertraut ist, wird ihm die unabsichtliche Codierung beim Lesen genauso wenig auffallen wie Ihnen beim Schreiben. Vielmehr wird er exakt die Bedeutung aus Ihren Worten herauslesen, die Sie beim Schreiben auch im Kopf hatten.

Was aber, wenn nun doch…?

Sie sind wirklich hartnäckig! Ok, Sie möchten also wissen, ob es nicht doch ein denkbares Szenario gibt, in dem der unabsichtliche Fehlgriff doch zu negativen Konsequenzen führt. Schauen wir mal:

Nehmen wir an, Sie hätten sich so viel Mühe bei der Erstellung Ihres Zeugnisses gegeben, dass es nicht als ein selbstgeschriebenes erkannt wird. So würde der Profi-Leser also denken müssen, dass es sich bei dem Code um Absicht handelt. Was passiert jetzt?

Da habe ich noch eine beruhigende Antwort für Sie: Jetzt werden weitere Zeugnisse gelesen. Denn ein Arbeitszeugnis spiegelt immer nur eine Meinung wieder. Wenn nun in einem Arbeitszeugnis steht, dass Sie ein Faulpelz sind, wird die Firma in den weiteren Zeugnissen nachsehen, ob andere Firmen derselben Meinung waren. Erst wenn ein und dasselbe Problem in mehreren Zeugnissen auftaucht, wird es wirklich zu einem Problem.

Doch selbst dann sind Sie nicht automatisch im Aus. Wenn Ihr Profil interessant ist, wird die Firma Sie vermutlich trotzdem einladen – Ihnen aber bei diesem einen Thema ganz besonders auf den Zahn fühlen.

Fazit

Ich hoffe aber, Sie haben in diesem Artikel eines mitgenommen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich mit einem selbstgeschriebenen Zeugnis ein Bein stellen, ist mini-minimal. Das Vorgehen ist nicht schön, aber leider sehr verbreitet. Und wie gesagt: Bevor Sie gar kein Zeugnis haben, ist ein selbstgeschriebenes immer die bessere Wahl.

Wenn Sie sicher sein wollen, können Sie auch einen Fachmann mit der Formulierung Ihres Arbeitszeugnisses beauftragen.

Nächste Schritte

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