Fuhlsbüttler Str. 539
22337 Hamburg
040 65 86 43 42

Rio Reiser und der größte Fehler meines Lebens

Es ist Dienstag, der 20. August 1996. Mit über 30° ist es der heißeste Tag dieses Monats. Doch für das schöne Wetter habe ich heute überhaupt keinen Sinn: Im Radio habe ich gerade gehört, dass Rio Reiser gestorben ist. Völlig unerwartet. Die Meldung passte zu der sowieso schon trüben Stimmung, in der ich war. Denn an diesem Tag war ich mir sicher: Ich hatte die falsche Entscheidung getroffen und den größten beruflichen Fehler meines Lebens gemacht.

Falsche Entscheidungen

In diesem Sommer hatte ich mich von der Uni abgemeldet. Exmatrikuliert, wie es so schön heißt. Allerdings ohne Abschluss. Eine Entscheidung, die ich mir nicht leicht gemacht hatte. Ich wollte das eigentlich schon lange, sehr lange sogar. Doch wäre ich dann nicht ein Versager? Alle anderen ziehen das Studium doch auch durch! Also habe ich mich von Semester zu Semester durch die Vorlesungen gekämpft. Immer angetrieben von dem Motto „Du schaffst das! Du musst das schaffen!“

Es war ja auch nicht so, dass mir das Studium zu kompliziert war. Es hat mich einfach nicht interessiert. Immer wieder erwischte ich mich bei dem Gedanken „Was soll ich damit eigentlich mal später im Berufsleben machen?“ Alles war abstrakt, mehr auf wissenschaftliche Forschung ausgerichtet als auf das normale Arbeitsleben. Und genau dieser Zweifel war es, der mich von Monat zu Monat mehr ausbremste. Ich sah einfach keinen Sinn in dem, was ich da tat. War aber fest entschlossen, es trotzdem zu tun.

Um nicht ganz zu verzweifeln suchte ich mir Dinge an der Uni, die mir Freude machten. Mit mehreren Freunden gründeten wir eine Band, die bald auf allen Fachbereichsfeten spielte. Das hat mir eine ganze Weile Motivation gegeben, mich dem Studium weiter zu stellen. Doch irgendwann schlug auch diese Motivation ins Gegenteil um: Denn während meine Bandkollegen einen Schein nach dem andern einsammelten, wäre ich am liebsten in keine einzige Vorlesung mehr gegangen. Die fachliche Distanz zwischen den anderen und mir wurde immer spürbarer.

Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis ich endlich zu mir selber ehrlich war: "Du musst da weg. Das ist nichts für dich." Und genau in diesem Sommer 1996 fuhr ich zum Campus und trat den schweren Weg zum Studentensekretariat an. Und dort ließ ich mich exmatrikulieren. Ich weiß noch genau, wie mies ich mich dabei fühlte. Das Gebäude habe ich danach nicht mehr über den Haupteingang verlassen. Ganz verschämt bin ich durch eine Seitentür ins Freie gegangen. Denn jetzt war es offiziell: Ich war ein Versager.

Ich hatte mich zwar schon für ein anderes Studium entschieden, aber dennoch war mir klar: Bei jeder Bewerbung wird man mir das unter die Nase reiben: "Warum haben Sie so lange studiert? Ohne Abschluss? Warum haben Sie das nicht zu Ende gebracht?" Und welche Firma will schon so einen Menschen einstellen? Wenn Sie mich damals in dieser Situation gefragt hätten, hätte ich aus vollem Herzen beteuert: Ja, ich habe mir soeben mein Berufsleben versaut.

Spulen wir nun ein paar Jahre vor.

Das zweite Studium entpuppte sich als absoluter Volltreffer. Ich habe es geliebt. Ich fand es interessant, bin gerne hingegangen und hatte es in kurzer Zeit abgeschlossen. Ich hätte mir vorher niemals vorstellen können, dass studieren so viel Spaß machen kann.

Dann standen die ersten Vorstellungsgespräche an. Und natürlich wollten die Firmen wissen, was damals passiert war. Ich war überrascht, wie unproblematisch die Firmen mit meiner Antwort umgegangen sind: Ich hatte ihnen einfach die Wahrheit gesagt. Das erste Studium war nichts für mich. Ich habe mich lange nicht getraut, es zu beenden. Dass ich trotzdem etwas drauf habe, das hatte ich mittlerweile mit dem zweiten Studium bewiesen.

Seitdem kamen natürlich weitere Wechsel, weitere Vorstellungsgespräche. Ein Thema war dieses erste Studium nie wieder.

Wenn ich könnte, würde ich in den Sommer 1996 zurückgehen und mir selber sagen: "Mach dir keine Sorgen. Falsche Entscheidungen trifft jeder irgendwann. Das Einzige was zählt, ist, dass wir die falschen Entscheidungen erkennen und den Mut aufbringen, sie zu korrigieren. Und keine Sorge, du hast dir dein Berufsleben nicht versaut. Ganz im Gegenteil. Du hast gerade die Basis für eine schöne Zukunft gelegt. Geh raus und genieße das Wetter!"

Weil ich das meinem alten Ich nicht sagen kann, sage ich es heute meinen Kunden. Denn viele von ihnen schleppen solchen Ballast mit sich herum. Gefühlte Makel, falsche Entscheidungen, krumme Lebenswege. Und wie ich damals haben sie heute Angst, dass ihre Zukunft verbaut wäre.

Sind auch Sie gerade in einer solchen Situation? Vielleicht blasen Sie Trübsal, weil Sie in der Vergangenheit irgendetwas nicht "richtig" gemacht haben. Dann möchte ich Ihnen Mut machen: Es ist alles halb so schlimm. Ändern Sie was. Machen Sie es besser. Und wenn Sie nicht wissen wie, dann sprechen Sie mit mir. Ich spreche aus Erfahrung.

Falls Ihre innere Stimmen Ihnen trotzdem etwas anderes einreden will, dann denken Sie doch an Rio Reiser: "Alles Lüge!"

Checkliste Bewerbung Download

Noch mehr Artikel:

Bereit für eine Zusage?

Wir sind für Sie da! Sprechen Sie uns an und finden wir gemeinsam heraus, wie wir Sie am besten unterstützen können.
KONTAKT
phonemap-marker