Keine Antwort - wenn die Firma schweigt

Hätten Sie geahnt, wo wir im Durchschnitt am häufigsten warten? Ich hätte spontan auf das Wartezimmer beim Arzt getippt, schließlich ist es ja sogar danach benannt.  Doch nur knapp 7 Stunden verbringt jeder Deutsche pro Jahr in einem Wartezimmer.  Deutlich länger stehen wir mit dem Auto im Stau und warten darauf, dass es weitergeht, nämlich fast 40 Stunden. Doch der absolute Spitzenreiter: Ihr Computer! Satte 156 Stunden wartet der Durchschnittsdeutsche jedes Jahr darauf, dass der Computer mit irgendetwas fertig wird.

Dass ich diese Zeiten so falsch eingeschätzt habe, zeigt eines: Warten kann unterschiedlich belastend sein. Und deswegen gibt es auch eine Situation, bei der das Warten zur echten Qual wird: das Warten auf die Reaktion einer Firma auf meine Bewerbung.

Keine Antwort auf Bewerbung

Wie oft haben Sie das schon erlebt? Sie haben Ihre Bewerbung verschickt und dann passiert... nichts. In den ersten Tagen hoffen Sie noch auf eine Eingangsbestätigung, doch die kommt nie. "Das muss nichts bedeuten",  beruhigen Sie sich selbst. "Die sind wahrscheinlich so mit der Auswertung der Unterlagen beschäftigt, dass sie keine Zeit für eine Bestätigung haben."

Doch aus den Tagen wird eine ganze Woche. Und aus der einen Woche werden mehrere. Sie haben noch immer nichts gehört. Jeden Tag gucken Sie in Ihre Inbox – sogar mehrmals täglich – doch es kommt und kommt einfach keine Antwort. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und so tragen Sie diese Belastung am Ende über Monate mit sich herum.

Was auf der Firmenseite passiert können Sie dabei nur ahnen: Vielleicht ist die Stelle längst besetzt und es hatte einfach niemand den Anstand, Sie zu informieren. Vielleicht ist ein anderes Projekt dazwischen gegrätscht, sodass die Firma noch nicht dazu gekommen ist, eine Entscheidung zu treffen. Und im schlimmsten Fall ist Ihre Bewerbung vielleicht nie angekommen.

Immer öfter gibt es keine Antwort

Der Trend ist deutlich zu spüren: Die Fälle, in denen die Firmen überhaupt nicht mehr antworten, nehmen zu. Davon höre ich inzwischen jeden Tag von meinen Kunden. Dabei geht es durchaus nicht nur um "einfache" Jobs, wie man vielleicht meinen könnte. Jobs, auf die es solche Unmengen von Bewerbern gibt, dass das Ausbleiben einer Antwort vielleicht noch nachvollziehbar wäre. Nein, selbst bei Stellen für hochqualifizierte Fachkräfte gibt es immer häufiger keine Reaktionen mehr.

Dabei ist gerade das – die schnelle und transparente Kommunikation – für viele Bewerber ein wichtiges Kriterium. So wird die ausbleibende Antwort schnell zum Image-Schaden für das Unternehmen. Firmen schaden damit also nicht nur den Bewerbern, sondern am Ende sich selbst: Schlechte Erfahrungen werden auf Bewertungsportalen wie Kununu veröffentlicht und schrecken andere gute Bewerber ab. Bewerber, die sich eben nicht wie eine Nummer behandeln lassen möchten, sondern wie einen Menschen.

Ich möchte aber auch die Personaler in Schutz nehmen: Ich unterstelle keinem dieser Menschen, dass er die Bewerber absichtlich im Unklaren lässt. Es ist ein reines Zeitproblem. Auch Personaler sind nur Angestellte und müssen sich an die Rahmenbedingungen ihrer Firmen halten. Und auch für einen Personaler ist die Bewerberkommunikation nur eine Aufgabe von vielen: Auch die bereits vorhandenen Mitarbeiter wollen versorgt und betreut werden, Stellenausschreibungen entwickelt und Gespräche geführt werden. Dazu noch die jährlichen Mitarbeitergespräche, Kriseninterventionen und die hauseigene Verwaltung.

Personaler sind keine schlechten Menschen, sie müssen nur häufig unter schlechten Bedingungen arbeiten.

Wann können Sie anrufen?

Ich empfehle meinen Kunden immer wieder, nicht zu früh und nicht zu oft in der Firma anzurufen. Denn jeder Anruf ist wieder eine Unterbrechung, die den gesamten Prozess für alle verlangsamt. Das soll aber auf gar keinen Fall heißen, dass Sie niemals anrufen dürfen! Daher meine Faustregel:

Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen keine Reaktion erhalten haben, dürfen Sie gerne anrufen. Doch Vorsicht, der Ton macht die Musik. Rufen Sie sich vor dem Telefonat nochmal vor Augen, dass Ihr Gesprächspartner Sie nicht aus böser Absicht hängen lässt. Bleiben Sie also sehr sachlich und freundlich und vor allem: Fassen Sie sich kurz. Ein idealer Anruf könnte so aussehen:

""Guten Tag mein Name ist X. Ich hatte ihnen vor 14 Tagen eine Bewerbung für die Position als Y zugeschickt. Ich möchte mich nur kurz versichern, dass sie auch angekommen ist. - Ist sie? Prima, vielen Dank, mehr wollte ich gar nicht.""

Ein Gegenbeispiel, wie Sie durch eine ungeschickte Formulierung dem anderen ungewollt ein schlechtes Gewissen verpassen:

"" Ja, hallo, X hier. Sagen Sie, ich habe Ihnen jetzt schon vor zwei Wochen meine Bewerbung geschickt. Ich hab noch gar nichts von ihnen gehört?""

Es sind die Feinheiten, die hier den Unterschied machen: " schon vor zwei Wochen"  zeigt ganz subtil, wie unzufrieden Sie sind. Und die offene Aussage an Schluss enthält den verdeckten Vorwurf " Sie hätten mir schon längst schreiben müssen!"

Beschränkung auf das Wichtigste

Vielleicht wundern Sie sich, warum in meinen Vorschlag keine Frage vorkommt, bis wann Sie wieder etwas hören werden? Das wäre natürlich sehr hilfreich für Sie, doch schauen wir nochmal die Realität an:  Wer weiß, wobei Sie Ihren Gesprächspartner gerade gestört haben? Die Chance, dass er sich gerade mit der Stelle beschäftigt hat, für die Sie sich beworben haben, ist gering. Und wann es eine Entscheidung gibt, das liegt zuallerletzt an ihm, sondern am Fachbereich.

Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass der Personaler ihnen irgendeine allgemeine Frist nennen wird, die aber in Wahrheit nichts aussagt. Einfach nur, um Sie nich ohne Antwort stehen zu lassen. Doch wirklich zuverlässig wird diese Aussage meiner Erfahrung nach nicht sein.

Doch Sie haben jetzt die wichtigste  Auskunft: Ihre Bewerbung ist angekommen und wird bearbeitet. Warten Sie nun mindestens weitere vier Wochen, bis Sie erneut anrufen und nachhaken. Es ist immer mal jemand im Urlaub, es wird immer mal jemand krank. Doch nach vier Wochen sollte es Neuigkeiten geben. Erst, wenn auch diese Zeit ohne ein Ergebnis verstrichen ist, sollten Sie sich fragen: Möchte ich überhaupt in einer Firma arbeiten, in der die Entscheidungswege so lang sind?

Denn manchmal ist keine Antwort eben auch eine Antwort.

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Nächste Schritte

Als Bewerber kennt man immer nur die eigenen Situation. Viele Kunden sind überrascht wenn ich Ihnen sage, dass sie im Vergleich zu anderen schon sehr vieles richtig machen.

Mit acht kurzen Fragen kann ich Ihre Situation schnell einschätzen und Ihnen sagen, wo Sie aktuell stehen. Nach der Beantwortung schicke ich Ihnen eine Email mit meiner Einschätzung und konkreten Tipps, wie Sie vorankommen!
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