Keine Regel ohne Ausnahme

Letzte Woche habe ich Ihnen meine Lieblingsmethode vorgestellt, wie Sie aus einem guten Anschreiben ein sehr gutes Anschreiben machen: Drei Schritte, mit denen Sie Ihr Anschreiben sinnvoll kürzen.

Dazu gehörte eine Liste mit zehn Worten, die Ihr Anschreiben besser machen, wenn Sie sie weggelassen. So habe ich es zumindest überschrieben.  Inzwischen habe ich von einigen aufmerksamen Lesern Feedback bekommen, dass man das so pauschal nicht sagen kann. Und was soll ich sagen? Sie haben recht!

In Ergänzung zum letzten Artikel  spreche ich daher diese Woche über mögliche Ausnahmen, ob und wann diese Worte doch in Ihrem Anschreiben vorkommen können.

Keine Regel ohne Ausnahme.

Aber

Aber ist für mein Gefühl ein extrem negatives Wort. Das kommt vor allem dadurch, dass man es meistens in der Verbindung "ja, aber"  hört. Was zusammen nichts anderes heißt als "Nein".  Ich selber versuche daher, das Wort "aber" wo es nur geht zu vermeiden.

Beispiel:  Ich habe noch keine Erfahrung damit, kann das aber schnell lernen.

Alternative: Obwohl ich noch keine Erfahrung damit habe, kann ich es schnell lernen.

Beispiel:  Ich bin zwar eher technisch talentiert, kann aber auch gut mit Menschen umgehen.

Alternative: Ich bin ein eher technisch talentierter Mensch.  Zusätzlich fällt mir der direkte Umgang mit Menschen leicht.

Auch

Auch soll im Satz betonen, dass es noch mehr von etwas gibt. Im besten Falle noch mehr stärken, noch mehr Talente, noch mehr passende Erfahrungen. In Wahrheit nimmt das Wort meistens nur Platz weg. Der Satz kann durch Weglassen sogar an Wirkung gewinnen.

Beispiel:   ich bin erfahren mit Word, Excel und auch PowerPoint.

Alternative: Ich bin erfahren mit Word, Excel und PowerPoint.

Beispiel:  Ich bin die Richtige, wenn es darum geht, neben der kaufmännischen auch die kreative Seite im Blick zu behalten.

Alternative: Ich bin die richtige, wenn es darum geht, die kaufmännische und die kreative Seite gleichzeitig im Blick zu behalten.

Bereits

Bereits beschreibt, dass etwas schon in der Vergangenheit passiert ist. Damit kann das Wort in der Bewerbung niemals etwas zu suchen haben. Denn dort schreiben Sie ausschließlich über Ihre Vergangenheit.  Da ist es klar, dass Sie über lauter Dinge reden, die Sie bereits getan haben.

Beispiel:  Bereits im Studium habe ich mich mit Marketing beschäftigt.

Alternative: Im Studium habe ich mich mit Marketing beschäftigt.

Ausnahme:  Wenn Sie betonen wollen, dass etwas in Ihrem Werdegang ungewöhnlich früh passiert ist, können Sie das Wort bereits zur Betonung benutzen.

Beispiel:  Bereits beim Heimat und Sachkundeunterricht in der Grundschule wurde meine Faszination für Mineralien geweckt.

Auch dann, wenn Sie betonen möchten, dass etwas sehr bald passieren wird, kann das Wort einen Sinn ergeben:

Beispiel: Bereits im kommenden Frühjahr werde ich mein Studium abgeschlossen haben.

Daher

Dieses Wort war sicherlich eines der Lieblingswörter von Sherlock Holmes,  denn es beschreibt eine Schlussfolgerung.  Vorher haben Sie vermutlich einige Argumente aufgeführt, aus denen Sie nun etwas ableiten. Doch Ihr Anschreiben sollte immer so einfach formuliert sein, dass der Leser diesen Schritt ohne Probleme mitgehen kann, ohne durch dieses Wort mit der Nase drauf gestoßen zu werden.

Beispiel:  Ich habe in China und Japan studiert. Daher bin ich mit dem asiatischen Raum gut vertraut.

Alternative: Ich habe in China und Japan studiert. Mit dem asiatischen Raum bin ich gut vertraut.

Beispiel:  In meinem jetzigen Job fühle ich mich unterfordert. Daher suche ich eine Aufgabe, die mich ausfüllt.

Alternative:  Die Unterforderung in meinem aktuellen Job ist es, die mich jetzt nach einer Aufgabe suchen lässt, die mich ausfüllt.

Häufig

Das Wort "häufig" wird häufig benutzt, obwohl es häufig nicht angebracht wäre. Häufig ist dem Leser ohnehin klar, dass wir etwas schreiben, dass wir häufig tun. Sonst wäre es nämlich nicht so wichtig, als dass wir es betonen müssten. Streng genommen wäre das Gegenteil interessant: wenn wir etwas bisher selten gemacht haben, wäre das eine interessantere Information für die Firma. Dieses Wort kann daher immer ersatzlos gestrichen werden.

Beispiel:  Ich habe häufig im Außendienst gearbeitet und dort viel Erfahrung gesammelt.

Alternative: Ich habe im Außendienst gearbeitet und dort viel Erfahrung gesammelt.

Beispiel:  In meinem aktuellen Job bin ich häufig unterfordert. Deshalb suche ich nach einer Aufgabe, die mich ausfüllt.

Alternative:  Die Unterforderung in meinem aktuellen Job ist es, die mich jetzt nach einer Aufgabe suchen lässt, die mich ausfüllt.

Längst

Hier kann ich mich kurz fassen: Alles, was es über "längst" zu sagen gibt, habe ich bereits bei "bereits" geschrieben.

Beispiel:  Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind mir längst bekannt

Alternative: die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind mir bekannt

Ausnahme:  Auch dann, wenn Sie betonen möchten, dass etwas sehr bald passieren wird, kann das Wort einen Sinn ergeben:

Beispiel: Bis zum gewünschten Eintrittstermin werde ich mein Studium längst beendet haben.

Nun

Nun, hier haben wir ein frisches Verlegenheitswort und nicht mal ein besonders praktisches: Es füllt gerade mal drei Buchstaben auf Ihrem Blatt. Es tut Ihnen nicht sonderlich weh, wenn Sie sich ganz davon verabschieden.

Beispiel:  Für mich ist nun der Zeitpunkt gekommen, mich neu zu orientieren.

Alternative: Für mich ist der Zeitpunkt gekommen, mich neu zu orientieren.

Beispiel:  Bisher spielte der Bereich "online" in meinen Aufgaben keine große Rolle. Das möchte ich nun ändern.

Alternative: Mein Ziel ist, dass der Bereich "online" in meinen Aufgaben zukünftig eine größere Rolle spielen soll.

Nur

Nur ist das Gegenteil zu "auch".  Während wir mit "auch" zeigen wollten, dass es von etwas mehr gibt, zeigt "nur" eine Knappheit an. Doch meistens verwenden wir es als "nicht nur", was am Ende dasselbe wie "auch" bedeutet.

Beispiel:  Ich habe nicht nur auf dem deutschen Markt gearbeitet. Auch in Österreich und der Schweiz weich tätig.

Alternative: Außer in Deutschland habe ich in Österreich und der Schweiz gearbeitet.

Ausnahme:  Wenn Sie die Konstruktion "nicht nur… sondern auch..."  benutzen, haben beide Worte Ihre Berechtigung.

Beispiel: Ich beherrsche nicht nur Python, sondern auch SQL.

Schon

Haben Sie es schon bemerkt? Hier ist der dritte im Bunde zu "bereits" und "längst".  Wieder ein Wort, das unnötigerweise unterstreichen soll, dass Sie über die Vergangenheit schreiben.

Beispiel:  Mein Organisationstalent habe ich schon bei Müller und Co. unter Beweis gestellt

Alternative: Mein Organisationstalent habe ich bei Müller und Co. unter Beweis gestellt

Ausnahme: Wie bei den beiden anderen Worten gilt hier: benutzen Sie es höchstens, um auf etwas besonders Frühes hinzuweisen

Beispiel: Schon als Baby war mein erstes Wort "Markenschutzrecht"

Sehr

Mit diesem Wort möchten wir etwas betonen. Einer Sache mehr Gewicht verleihen.  Dabei vergessen wir: die Tatsache, dass wir etwas im Anschreiben überhaupt erwähnen, verleiht ihm Gewicht.  Alles Wichtige lassen wir unerwähnt. "Sehr" gehört daher aus meiner Sicht zu den Worten, die sie wirklich immer streichen können.

Beispiel:  Im Aufbau neuer Filialen bin ich sehr erfahren.

Alternative: Im Aufbau neuer Filialen bin ich erfahren.

Beispiel:  Auf Ihre Einladung zum Gespräch freue ich mich sehr.

Alternative: Auf Ihre Einladung zum Gespräch freue ich mich.

Finden Sie weitere Ausnahmen?  Dann schreiben Sie mir gerne.  Zur Übersicht finden Sie hier am Ende des Artikels die kompakte Liste mit zehn Worten sowie praktische vorher/nachher-Beispiele als Download.

Checkliste Bewerbung Download

Nächste Schritte

Als Bewerber kennt man immer nur die eigenen Situation. Viele Kunden sind überrascht wenn ich Ihnen sage, dass sie im Vergleich zu anderen schon sehr vieles richtig machen.

Mit acht kurzen Fragen kann ich Ihre Situation schnell einschätzen und Ihnen sagen, wo Sie aktuell stehen. Nach der Beantwortung schicke ich Ihnen eine Email mit meiner Einschätzung und konkreten Tipps, wie Sie vorankommen!
KONKRETE TIPPS
FÜR IHREN NÄCHSTEN SCHRITT
ZU DEN FRAGEN

Diese Artikel sind auch interessant:

Bereit für eine Zusage?

Wir sind für Sie da! Sprechen Sie uns an und finden wir gemeinsam heraus, wie wir Sie am besten unterstützen können.
KONTAKT