Was ist bei einem Zweitgespräch anders?

Hurra, Sie haben im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlassen. So gut sogar, dass Sie zu einem zweiten Gespräch eingeladen wurden. Was ist dieses Mal anders?

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Ich hatte vor ca. drei Wochen ein Bewerbungsgespräch mit dem kaufmännischen Leiter und dem Leiter Controlling, der mein direkter Vorgesetzter wäre. Jetzt wurde ich zu einem Zweitgespräch eingeladen mit dem kaufmännischen Leiter, dem Personalchef und dem CFO. Doch ohne den Leiter Controlling, welcher der direkte Vorgesetzte wäre. Ich finde es etwas merkwürdig, dass der nicht dabei sein wird.

Wie unterscheidet sich das Zweitgespräch vom ersten? Sollte man sich anders vorbereiten als auf das erste? Sollte ich vielleicht eine andere oder kürzere Selbstpräsentation vorbereiten, denn immerhin hat der kaufmännische Leiter, die ja schon gehört.

Zum Zweitgespräch würde ich normalerweise sagen, dass die Unterschiede die folgenden sind:

Erstens ist es ein erweiterter Teilnehmerkreis. Meist ist von der Hierarchiestufe drüber jetzt jemand dabei. Also so nach dem Motto „Der Chef hat ihn sich schon angeguckt, jetzt guckt der Chef-Chef, ob’s auch passt.“

Dann gibt es inhaltlich auch einen Unterschied für Zweitgespräche, denn die gehen natürlich mehr in die Tiefe – weil das Ziel ein anderes ist. Das erste Gespräch hat das Ziel, auszusortieren und zu gucken, wer passt, wer passt nicht, wer hat uns vielleicht zu viel versprochen. Wo sind vielleicht noch Sachen, die wir gar nicht wussten? 

Und das zweite Gespräch hat das Ziel: Wir möchten am liebsten mit einem Vertrag hier rausgehen. Deswegen geht’s halt mehr in die Tiefe, weil’s auch um so Dinge geht wie Arbeitszeit, Gehalt, Firmenwagen, was auch immer. Also alles so die Dinge, die man vielleicht im ersten Gespräch nicht anschneidet, das kommt im zweiten dran, und auch gerade höhere Führungskräfte haben noch weniger Skrupel, nochmal ein bisschen tiefer nachzubohren- das ist ja auch ihr Job. 

Das wäre der normale Fall. Das gilt jetzt bei dir aber dummerweise nicht. 

Du hast ein anderes Zweitgespräch. In deinem Fall gibt es einen veränderten Teilnehmerkreis. Das heißt, dieser Mensch, der eigentlich dein Chef werden würde, der ist gar nicht dabei.

Dadurch wird das Gespräch in vielen Teilen nochmal eine Wiederholung des Gesprächs, das du schon hattest. Und in diesem Fall ist es sogar noch etwas einfacher für dich, denn du hast einen Verbündeten mit im Raum.

Es ist ja einer dabei, der auch schon im ersten Gespräch dabei war. Und du darfst davon ausgehen: Nach dem ersten Gespräch sind die beiden Leute - oder die drei, mit denen du gesprochen hast - rausgegangen und haben gesagt, "jawohl, der Arno, der könnte gut hier reinpassen".

Jetzt kommt zum Beispiel der CFO, also alleroberste Führungsebene, und der hat schon die Info von seinen Mitarbeitern, hier der Arno, das ist ein Guter. Und alle, die jetzt in dem Gespräch mit drinsitzen und dich schon kennen, werden alles dafür tun, dass der CFO am Ende möglichst auch diesen Eindruck hat. Sonst geht der Schuss für die nämlich nach hinten los!

Stell dir vor, die würden dir jetzt ganz blöde Fragen stellen. Dann gehst du am Ende raus und der CFO sagt, was habt ihr mir denn da für eine Gurke ins Haus geholt. Dann fällt das auf deren Ruf zurück! 

Deswegen: Derjenige, mit dem du schon ein Gespräch hattest, das ist jetzt dein Verbündeter. Und die anderen werden einfach ein relativ ähnliches Vorstellungsgespräch mit dir führen.

Trotzdem ein paar Tipps für dich, für diese Zweitgespräche:

Nichts ändern, was gut war.

Wenn du das Gefühl hattest, deine Selbstpräsentation war gut und ist gut angekommen, dann halte sie nochmal genauso. Denn hey, 66 % der Teilnehmer haben die noch nicht gehört. Und wie gesagt, der andere ist eh schon auf deiner Seite. Für den musst du nichts Besonderes mehr machen. 

Aber es gilt auch: Ändern, was nicht gut war.

Wenn du also das Gefühl hast, es gab Fragen oder Themenbereiche, bei denen du hinterher dachtest „da habe ich jetzt vielleicht nicht so toll geantwortet“, mach dir vor allem über diese Punkte nochmal Gedanken, denn sowas greifen die gerne auf.

Und da ist es auch super, wenn du einen Bezug nehmen kannst auf das erste Gespräch. Wenn du dann sagen kannst „Da haben wir ja letztes Mal drüber gesprochen und ich habe darüber auch nochmal nachgedacht. Ich glaube nämlich...“ 

Das zeigt dann auch, dass du seit dem letzten Gespräch nochmal an dir oder an der Bewerbung gearbeitet hast. Das kommt immer gut an.

Und ansonsten solltest du auf alle Fragen eingestellt sein. Für ein Zweitgespräch kann man halt nicht mehr mit einer Antwort kommen wie „Darüber müsste ich mir erst nochmal Gedanken machen.“ Also zum Beispiel sowas wie Gehalt. Wenn jetzt jemand nach Gehalt fragt, dann solltest du auch eine konkrete Zahl in den Raum werfen können.


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Volker Klärchen
Bewerbungscoach
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