Wie aus einem guten Anschreiben ein sehr gutes Anschreiben wird

"Verschlimmbessern" - kennen Sie dieses wundervolle Wort auch? Ich habe es zum ersten Mal bei meinem Deutschlehrer gehört. Damals hat er mir den Rat gegeben, einen Text irgendwann so zu lassen, wie er ist. Es gibt einen Punkt, ab dem steckt man immer noch Arbeit rein, besser wird es dadurch aber nicht. Genau das passiert vielen Menschen, wenn sie an ihrem Anschreiben sitzen. Das wird dann auch immer länger – aber nicht besser.

Anschreiben zu lang

So ein Anschreiben kann eine sehr böse Falle sein. Sie wollen schließlich besonders kompetent und professionell wirken. Dann darf sich das doch nicht anhören wie irgendein 08/15 Brief. Also ziehen Sie alle Register, die Ihnen einfallen, um den Text einen seriösen Anstrich zu geben:

Sie benutzen Fremdwörter

Es ist eine populäre Plattitüde, dass Agrarfachwirte mit unterdurchschnittlich entwickelten kognitiven Fähigkeiten die quantitativ maximal ausgeprägten Nachtschattengewächsknollen ihr eigen nennen. Oder, einfacher ausgedrückt: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. Doch warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? So wird aus einem umgänglichen Menschen ein "sozial kompetenter Teamplayer". Und der Mensch, der alles mitbringt, was er für den Job braucht, verfügt plötzlich über "das gesamte relevante Skillset".

Sie bilden lange Sätze

Doch Fremdwörter alleine reichen noch nicht, um als richtig kompetent durchzugehen, denn dazu gehört ja auch, dass der Bewerber ganz offen zeigt, dass er in der Lage ist, gerade in der schriftlichen Formulierung Sätze zu bilden, die an Länge alles überbieten, was der Leser – und das sind ja auch durch die Bank rhetorisch und kommunikativ geschulte Menschen – sich nur wünschen kann, um daraus abzuleiten, dass es sich bei dem Verfasser um einen Menschen von erheblicher Intelligenz handeln muss. Das dürfen Sie gerne zweimal lesen.

Sie bauschen die Sätze auf

Falls nach den ersten beiden Schritten der Verschönerung noch immer nicht das gewünschte Maß an Komplexität erreicht ist, werden die Sätze künstlich vergrößert. Die deutsche Sprache bietet genug Worte, die man in fast jeden Satz einbauen kann, ohne dass es jemandem auffällt. Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, wie häufig man das Wort eigentlich unterbringen kann, ohne dass man es eigentlich braucht? Eigentlich eine interessante Erkenntnis.

Was das Anschreiben wirklich verbessert

Mark Twain hat mal einen Brief geschrieben, der über viele Seiten ging. Er beendete ihn mit: "Entschuldige bitte den langen Brief, ich hatte keine Zeit für einen kurzen."

Was auf den ersten Blick witzig klingt, ist so weise: Es ist viel schwieriger, einen kurzen Text zu schreiben, als einen langen.

Stellen Sie sich vor, ich gebe Ihnen einen Text vor. Und Sie bekommen die Aufgabe, mindestens zehn Zeilen hinzuzufügen. Das werden Sie ohne Probleme schaffen. Hier und da ein Wort eingeschoben, ab und zu einen Halbsatz ergänzt, und schon gewinnt der Text an Länge.

Jetzt aber das Gegenteil: Ich gebe Ihnen einen Text mit der Aufgabe, mindestens zehn Zeilen zu streichen - ohne, dass etwas von der Botschaft verloren geht. Das ist richtig harte Arbeit! Auf welches Wort kann ich verzichten? Welcher Satz kann gekürzt werden? Was kann ich weglassen, ohne den Sinn zu verändern?

In derselben Situation befinden Sie sich mit Ihrem Anschreiben: Es länger zu machen, Sachen zu ergänzen, das kann jeder. Die Sprache zu vereinfachen, den Text zu kürzen und zu präzisieren, das ist die wahre Kunst.

Wissenschaftlich belegt

Daniel Oppenheimer ist Professor für Psychologie und hat sich damit beschäftigt, wie geschriebene Sprache auf den Leser wirkt. Dabei hat er festgestellt: Je weniger Worte wir brauchen, desto intelligenter wirken wir auf andere.

Für seine Studien hat er 2006 einen Preis verliehen bekommen. Hier seine Dankesrede:

"Formale Studien, die unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurden, führten zu der unausweichlichen Schlussfolgerung, dass Verfasser schriftlicher Texte, die maßlosen quantitativen Gebrauch von Worten, unnötige Exkurse und vielsilbigen Wörter vermeiden als intelligenter wahrgenommen werden als Autoren, die der Weitschweifigkeit frönen und Prägnanz scheuen. Daher möchte ich meine Dankbarkeit für Ihre Anerkennung meiner Forschungsbemühungen zum Ausdruck bringen.

Oder kürzer:

Meine Forschung hat gezeigt, dass Prägnanz als Intelligenz gedeutet wird.

Deshalb: Danke."

Weglassen statt ergänzen

Nehmen Sie sich Ihr Anschreiben nochmals vor. Das ist sicherlich schon ziemlich gut. Speichern Sie es unter einem neuen Namen und bearbeiten Sie die Kopie in diesen drei Schritten:

1. Formulieren Sie zu jedem Absatz eine passende Überschrift. Wenn Sie keine gute Überschrift finden, liegt es daran, dass Sie zu viele verschiedene Inhalte in einem Absatz haben. Streichen Sie so lange, bis Sie eine sinnvolle Überschrift finden können.

2. Prüfen Sie jeden Satz und Halbsatz: Was passiert, wenn Sie ihn weglassen? Ist er wirklich wichtig, um die Botschaft zu vermitteln? Wenn nicht, weg damit.

3. Prüfen Sie die einzelnen Worte: Funktioniert der Satz noch, wenn ich es streiche? Gerade mit diesem dritten Schritt kann Ihr Anschreiben einen unglaublichen Sprung machen.

Natürlich wäre es sehr aufwändig, wirklich jedes einzelne Wort zu überprüfen. Um Ihnen die Arbeit zu erleichtern, habe ich eine Liste mit zehn Worten zusammengestellt, die Ihr Anschreiben besser machen, wenn Sie sie weggelassen. Zusammen mit einem Vorher-Nachher-Beispiel, das Ihnen den Effekt verdeutlichen wird. Machen Sie aus einem guten Anschreiben ein sehr gutes Anschreiben!

Sie möchten noch tiefer ins Detail gehen? Dann gehe ich hier die einzelnen Worte Schritt für mit Ihnen durch!

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